KURIER
Mietmarkt: Wenig Angebot, kaum Neubau, neuer Mietdeckel sorgt für Irritation
Es wurden wieder mehr Wohnungen gekauft, doch Mietwohnungen fehlen und der Neubau stockt. Das neue Wertsicherungsgesetz sorgt für Irritationen in der Branche.
Von Ulla Grünbacher
20.12.25, 06:00
Der Wohnimmobilienmarkt in Österreich erholt sich, aber mit angezogener Handbremse: So beschreibt der Verband der österreichischen Immobilienwirtschaft (ÖVI) die aktuelle Situation. Zwar finden wieder mehr Transaktionen statt, gekauft werden jedoch vor allem Bestandsimmobilien. Deutlich angespannter ist die Situation im Neubau. „Die Finanzierungssituation für Bauträger ist eine völlig andere als noch vor wenigen Jahren“, so Thomas Raith, Bauträgersprecher und Vorstand des ÖVI. „Hohe Baukosten, sinkende Eigenkapitalquoten und steigende Anforderungen der Banken, etwa bei der Vorverwertung von Immobilien, führen zu massiver Verunsicherung. Viele Projekte werden verschoben oder gar nicht gestartet.“
Das ist im Kaufsegment noch nicht so dramatisch, weil es etwa in Wien noch ein recht großes Angebot am Markt gibt. Raith nennt die Zahl von 20.000 freien Eigentumswohnungen, die in Wien am Markt sind, davon 2.000 Bauträgerwohnungen. „Bauträgerwohnungen wurden zuletzt weniger stark nachgefragt“, betont er. „Was nun noch am Markt ist, sind überwiegend Ladenhüter, weil sie zu teuer oder zu groß sind. Es kommen mangels Neubau kaum neue Wohnungen nach.“
Wie Mieten an die Inflation angepasst werden können, ändert sich durch ein neues Gesetz.
Auch die Vermarktungszeiträume haben sich geändert. Bis 2021 dauerte es etwa ein Jahr, bis eine Wohnung einen Käufer gefunden hat. Diese Zeitspanne habe sich laut Raith auf rund zwei Jahre, bei Bauträgerwohnungen auf fast vier Jahre verlängert.
Angebot an Mietwohnungen sinkt
Wesentlich geringer ist das Angebot an Mietwohnungen. Laut Raith sind in Wien 8.000 Objekte verfügbar, davon 2.000 von Bauträgern. „Die Objekte, die nun vermietet werden, beruhen auf dem Neubau. Darunter gibt es viele größere Objekte, die dementsprechend teuer sind.“ Verbandspräsident Georg Flödl bestätigt: „Die Neuvermietung ist das Sorgenkind. Hier gibt es nur geringe Bewilligungen und Fertigstellungen, wir haben den Eindruck, dass das Angebot am Markt stark zurückgeht.“ Dies führe bei der Neuvermietung zu steigenden Mieten: 2024 erhöhten sich Mieten um 6,2 bis sieben Prozent, 2025 in ähnlicher Höhe.
Anders sieht es bei den Bestandsmieten aus, bei denen die Anpassung an die Inflation in den vergangenen Jahren gedeckelt wurde – und auch künftig gedeckelt wird (Stichwort Wertsicherungsgesetz). „Die politischen Eingriffe machen die Lage nicht besser“, so Geschäftsführer Anton Holzapfel über das neue Gesetz. Ein Interessensausgleich fehle, daher gebe es nicht viele Anreize für Bauträger, Wohnraum zu schaffen. Thomas Raith ergänzt: „2026 und 2027 werden viele Wohnungen fehlen, wir können nur mehr für 2028 produzieren.“
Neuerungen ab 2026
Das neue Mietenwertsicherungsgesetz wurde am 11. Dezember beschlossen, es soll am 1.1.2026 in Kraft treten, „Am 27. oder 28. Dezember wird es erst im Bundesgesetzblatt veröffentlicht“, so Flödl. Es geht darum, dass die Erhöhung der gesetzlichen Richtwerte und Kategoriebeträge sowie der angemessenen Mietzinse für 2026 mit einem Prozent und für 2027 mit zwei Prozent gedeckelt wird.
Flödl sagt dazu: „Die Vorschreibungen an Mieter werden wir im Jänner stornieren müssen, da Mieterhöhungen betroffen sind, die schon ausgeschickt wurden.“ Holzapfel dazu aus Vermietersicht: „Durch solche Maßnahmen wird das Vertrauen nicht erhöht.“
Mit 1.1.2026 ändert sich dann auch die Mindestbefristungsdauer für Mietverträge. Die bisher geltende Mindestdauer von drei Jahren wird auf fünf Jahre erhöht, gültig für alle Verlängerungen und Neuvermietungen ab 2026. Es gibt aber Ausnahmen für private Kleinvermieter, also für Vermieter, die kein Unternehmer im Sinn des Konsumentenschutzgesetzes sind. Ob ein Vermieter ein Unternehmet ist oder nicht, werden im Einzelfall Gerichte prüfen müssen. Die Folge dieser Neuerung bei den Mindestbefristungen werde laut Branchenkennern sein, dass fast niemand mehr unbefristete Mietverträge abschließen wird.
VIENNA.AT
Keine Entspannung für den österreichischen Wohnungsmarkt in Sicht
17.12.2025 15:03 (Akt. 17.12.2025 20:48)
Die Lage am Wohnungsmarkt bleibt angespannt. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Der österreichische Wohnungsmarkt sieht sich weiterhin großen Herausforderungen gegenüber, da sowohl die Anzahl der Fertigstellungen rückläufig ist als auch die Nachfrage nach Wohnraum steigt, während das aktuelle Angebot hauptsächlich teure Neubauprojekte umfasst, die für Durchschnittshaushalte schwer erschwinglich sind.
Der Wohnraummangel verschärft sich zusehends. "Nach dem Peak 2021 ist das Bauträgergeschäft eingebrochen - das heißt, wir werden weniger Fertigstellungen haben; das heißt, es sind weniger Wohnungen auf dem Markt", sagte der Vorstand des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI), Thomas Raith, am Mittwoch in Wien. Aber: Der Bedarf nimmt zu. "Wir glauben, dass die Angebotssituation in den nächsten zwei Jahren keine bessere wird", so Verbandspräsident Georg Flödl.
Wohnungsknappheit wird nicht besser werden
"In den Hotspots, in den Ballungszentren gibt es eine sehr große Wohnungsknappheit", hielt Geschäftsführer Anton Holzapfel im Zuge der Jahrespressekonferenz des Verbands fest. "2027 sprechen wir bei den Fertigstellungen von der Hälfte oder einem Drittel, das fehlt", verdeutlichte Flödl. Gleichzeitig steige der Bedarf.
Nur "Ladenhüter" am Markt
Das derzeitige Angebot am Markt umfasst dem Immobilienverband zufolge überwiegend "Ladenhüter" - Neubauwohnungen, die zu teuer sind, die vom Grundriss oder von der Größe her nicht passen. "Nur es kommt derzeit nichts Neues auf den Markt", so Raith. In Wien gebe es 20.000 Wohnungen am Markt, die verkauft werden sollen, und 8.000 Mietwohnungen.
"Die Absorption - die Verkaufszahlen, die der Markt pro Jahr aufnimmt, - ist deutlich gefallen", sagte der Bauträgersprecher. "Es ist nicht so viel leistbar für den Durchschnittshaushalt." Weiters herrsche - nicht zuletzt angesichts der geopolitischen Situation - hohe Verunsicherung bei den Privaten. "Es kauft niemand eine Bauträgerwohnung, die noch nicht gebaut ist - die Banken verlangen das aber", berichtete der ÖVI-Vorstand.
Die gestiegenen Zinsen hätten ihr Übriges getan. Die Sparquote habe sich deutlich erhöht. Das Geld sei aber nicht in Immobilien investiert worden.
Gebrauchtwohnungsmarkt halbwegs stabil
"Man ist quasi nicht mehr in die Neuerrichtung gegangen", sagte Raith. Die Rendite, die im Neubau erzielt werde, liege bei 4 Prozent. Das sei "nicht attraktiv". "Investoren verlangen aufgrund ihres Risikoaufschlags 4,5 bis 5 Prozent Rendite", erklärte der Immobilienexperte.
"In den vergangenen acht Jahren hat sich alles auf den Gebrauchtwohnungsmarkt konzentriert." Dieser Markt sei halbwegs stabil, bekräftigte der Landesstellenleiter des Immobilienverbands in Kärnten, Max Madile. Im Bauträger- und Neubaumarkt sei die Tendenz auch im Süden "weiterhin sinkend". Bei den Transaktionen sei man "auf dem Weg zum schlechtesten Jahr". Verkauft würden "hauptsächlich Neubauten, die bereits fertiggestellt sind".
Käufer sind verunsichert
Dasselbe Bild zeigt sich im Westen Österreichs: "Der Markt ist verhalten - die Neubauprojekte werden nur noch bestehend verkauft und nicht mehr vom Plan weg", sagte auch ÖVI-Vizepräsident Andreas Karg. "Wir verspüren hier auch angesichts der weltpolitischen Lage eine Unsicherheit, langfristige Investitionen zu tätigen", fügte er hinzu. Der Bedarf nach Wohnraum sei da - "und der wird aus dem Bestand gedeckt".
Allerdings nehme die Nachfrage zu. In Vorarlberg gebe es zwar "erfreuliche Baugenehmigungszahlen, aber bis die auf den Markt kommen, dauert es noch drei bis vier Jahre", so Karg.
Sorgenkind Neuvermietung
"Wenn Eigentum jetzt schwer funktioniert, gehen viele in die Miete", brachte Holzapfel die Lage auf den Punkt. Das Sorgenkind im aktuellen Umfeld sei die Neuvermietung, betonte Flödl mit Blick auf geringe Bewilligungs- und Fertigstellungszahlen. 2024 seien die Mieten im Schnitt um 6,2 bis 7 Prozent gestiegen. "Wir gehen davon aus, dass es 2025 nicht viel anders gewesen sein wird."
"Grundsätzlich sind wir in einem stark preisgeregelten Segment", so der ÖVI-Präsident. 43 Prozent der Hauptwohnsitze in Österreich seien Hauptmietwohnungen. Von den 1,77 Millionen Hauptmietwohnungen seien 1,3 Millionen im preisgeregelten Bereich - entweder sozial (kommunal oder genossenschaftlich) oder im Anwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes (MRG).
Politik interveniert - aber investiert nicht
Im preisgeregelten Bereich hat die Regierung einiges an Erleichterungen für die Mieterinnen und Mieter in Aussicht gestellt. Nach den massiven Anstiegen während der hochfliegenden Inflation sollen die Mieten 2026 nur um maximal 1 Prozent angehoben werden dürfen, 2027 um nur 2 Prozent. 2028 sollen inflationsbedingte Erhöhungen, die 3 Prozent übersteigen, nur zur Hälfte auf die Miete aufgeschlagen werden dürfen. "Durch solche Einzelmaßnahmen wird das Vertrauen nicht erhöht", meinte Holzapfel dazu aus Eigentümersicht.
"Die politischen Interventionen machen das Angebot nicht besser - es werden Investitionen eher hintangestellt", befürchtet Flödl. Der Mietmarkt könne weiterhin unter Druck geraten. "Wir sind in einer Angebotsdelle, aus der wir heraus müssen." Planungssicherheit und Vertrauen seien "die wichtigsten Soft Facts, die wir in den nächsten Jahren brauchen", meinte er auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen für die Energiewende.
(APA/Red)
Die Presse
Wohnungsmarkt
Das Dilemma mit der Vorverwertung von Wohnungen
Der Bedarf an Wohnraum steigt. Doch es kommt fast nichts Neues auf den Markt, denn nur wenige kaufen derzeit eine Wohnung, die noch nicht gebaut ist.
In Wien sind aktuell rund 20.000 Wohnungen auf dem Markt. Clemens Fabry
19.12.2025 um 10:56
Der Mangel an (passenden) Wohnungen verschärft sich. „Nach dem Peak 2021 ist das Bauträgergeschäft eingebrochen – das heißt, wir werden weniger Fertigstellungen haben; das heißt, es sind weniger Wohnungen auf dem Markt“, erklärte der Vorstand des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI), Thomas Raith, am Mittwoch in Wien.
„Wir glauben, dass die Angebotssituation in den nächsten zwei Jahren keine bessere wird“, ergänzte Verbandspräsident Georg Flödl. Vor allem in den Städten gebe es eine sehr große Wohnungsknappheit. „2027 sprechen wir bei den Fertigstellungen von der Hälfte oder einem Drittel, das fehlt.“ Gleichzeitig steigt der Bedarf.
Das aktuelle Angebot umfasst dem ÖVI zufolge überwiegend „Ladenhüter“, also Neubauwohnungen, die zu teuer sind, die vom Grundriss oder von der Größe her nicht passen. In Wien gebe es rund 20.000 Wohnungen am Markt, die verkauft werden sollen.
„Die Absorption – die Verkaufszahlen, die der Markt pro Jahr aufnimmt –, ist deutlich gefallen“, sagte der Bauträgersprecher. „Es ist nicht so viel leistbar für den Durchschnittshaushalt.“
»Es kauft niemand eine Bauträgerwohnung, die noch nicht gebaut ist – die Banken verlangen das aber.«
Thomas Raith
Vorstand ÖVI
Weiters herrsche nicht zuletzt angesichts der geopolitischen Situation hohe Verunsicherung bei den Privaten. „Es kauft niemand eine Bauträgerwohnung, die noch nicht gebaut ist – die Banken verlangen das aber“, berichtete der ÖVI-Vorstand. Stichwort: Vorverwertung, bei der Bauträger oft schon vor der Fertigstellung eines Neubauprojekts einen Teil der Wohnungen verkaufen (müssen), um die Finanzierung zu sichern und das Risiko zu minimieren.
Die gestiegenen Zinsen hätten ihr Übriges getan. Die Sparquote habe sich zwar deutlich erhöht, das Geld sei aber nicht in Immobilien investiert worden.
Somit sei man „quasi nicht mehr in die Neuerrichtung gegangen“, erklärte Raith. Die Rendite, die im Neubau erzielt werde, liege bei vier Prozent. Das sei „nicht attraktiv“. Investoren würden aufgrund ihres Risikoaufschlags 4,5 bis fünf Prozent Rendite verlangen.
Da Eigentum derzeit nur schwer funktioniert, gehen viele in die Miete. Das Sorgenkind im aktuellen Umfeld sei die Neuvermietung, betonte Flödl mit Blick auf geringe Bewilligungs- und Fertigstellungszahlen. 2024 seien die Mieten im Schnitt um 6,2 bis sieben Prozent gestiegen. „Wir gehen davon aus, dass es 2025 nicht viel anders gewesen sein wird.“
„Grundsätzlich sind wir in einem stark preisgeregelten Segment“, so der ÖVI-Präsident. 43 Prozent der Hauptwohnsitze in Österreich seien Hauptmietwohnungen. Von den 1,77 Millionen Hauptmietwohnungen seien 1,3 Millionen im preisgeregelten Bereich – entweder sozial (kommunal oder genossenschaftlich) oder im Anwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes (MRG).
Regierung interveniert im preisgeregelten Bereich
Im preisgeregelten Bereich hat die Regierung einiges an Erleichterungen für die Mieter in Aussicht gestellt. Nach den Anstiegen während der hohen Inflation sollen die Mieten 2026 nur um maximal ein Prozent angehoben werden dürfen, 2027 um nur zwei Prozent. 2028 sollen inflationsbedingte Erhöhungen, die drei Prozent übersteigen, nur zur Hälfte auf die Miete aufgeschlagen werden dürfen.
„Die politischen Interventionen machen das Angebot nicht besser – es werden Investitionen eher hintangestellt“, befürchtet Flödl. Der Mietmarkt könne weiterhin unter Druck geraten. „Wir sind in einer Angebotsdelle, aus der wir heraus müssen.“ Planungssicherheit und Vertrauen seien „die wichtigsten Soft Facts, die wir in den nächsten Jahren brauchen“, meinte er auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen für die Energiewende. (APA/hbh)
VOL.AT
Wohnungsmarkt bleibt noch jahrelang unter Druck
17.12.2025 14:00 (Akt. 17.12.2025 14:00)
Der Wohnraummangel verschärft sich zusehends. "Nach dem Peak 2021 ist das Bauträgergeschäft eingebrochen - das heißt, wir werden weniger Fertigstellungen haben; das heißt, es sind weniger Wohnungen auf dem Markt", sagte der Vorstand des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI), Thomas Raith, am Mittwoch in Wien. Aber: Der Bedarf nimmt zu. "Wir glauben, dass die Angebotssituation in den nächsten zwei Jahren keine bessere wird", so Verbandspräsident Georg Flödl.
"In den Hotspots, in den Ballungszentren gibt es eine sehr große Wohnungsknappheit", hielt Geschäftsführer Anton Holzapfel im Zuge der Jahrespressekonferenz des Verbands fest. "2027 sprechen wir bei den Fertigstellungen von der Hälfte oder einem Drittel, das fehlt", verdeutlichte Flödl. Gleichzeitig steige der Bedarf.
Nur "Ladenhüter" am Markt
Das derzeitige Angebot am Markt umfasst dem Immobilienverband zufolge überwiegend "Ladenhüter" - Neubauwohnungen, die zu teuer sind, die vom Grundriss oder von der Größe her nicht passen. "Nur es kommt derzeit nichts Neues auf den Markt", so Raith. In Wien gebe es 20.000 Wohnungen am Markt, die verkauft werden sollen, und 8.000 Mietwohnungen.
"Die Absorption - die Verkaufszahlen, die der Markt pro Jahr aufnimmt, - ist deutlich gefallen", sagte der Bauträgersprecher. "Es ist nicht so viel leistbar für den Durchschnittshaushalt." Weiters herrsche - nicht zuletzt angesichts der geopolitischen Situation - hohe Verunsicherung bei den Privaten. "Es kauft niemand eine Bauträgerwohnung, die noch nicht gebaut ist - die Banken verlangen das aber", berichtete der ÖVI-Vorstand.
Die gestiegenen Zinsen hätten ihr Übriges getan. Die Sparquote habe sich deutlich erhöht. Das Geld sei aber nicht in Immobilien investiert worden.
Quasi keine Neuerrichtungen
"Man ist quasi nicht mehr in die Neuerrichtung gegangen", sagte Raith. Die Rendite, die im Neubau erzielt werde, liege bei 4 Prozent. Das sei "nicht attraktiv". "Investoren verlangen aufgrund ihres Risikoaufschlags 4,5 bis 5 Prozent Rendite", erklärte der Immobilienexperte.
"In den vergangenen acht Jahren hat sich alles auf den Gebrauchtwohnungsmarkt konzentriert." Dieser Markt sei halbwegs stabil, bekräftigte der Landesstellenleiter des Immobilienverbands in Kärnten, Max Madile. Im Bauträger- und Neubaumarkt sei die Tendenz auch im Süden "weiterhin sinkend". Bei den Transaktionen sei man "auf dem Weg zum schlechtesten Jahr". Verkauft würden "hauptsächlich Neubauten, die bereits fertiggestellt sind".
Käuferschaft geht auf Nummer sicher
Dasselbe Bild zeigt sich im Westen Österreichs: "Der Markt ist verhalten - die Neubauprojekte werden nur noch bestehend verkauft und nicht mehr vom Plan weg", sagte auch ÖVI-Vizepräsident Andreas Karg. "Wir verspüren hier auch angesichts der weltpolitischen Lage eine Unsicherheit, langfristige Investitionen zu tätigen", fügte er hinzu. Der Bedarf nach Wohnraum sei da - "und der wird aus dem Bestand gedeckt".
Allerdings nehme die Nachfrage zu. In Vorarlberg gebe es zwar "erfreuliche Baugenehmigungszahlen, aber bis die auf den Markt kommen, dauert es noch drei bis vier Jahre", so Karg.
Sorgenkind Neuvermietung
"Wenn Eigentum jetzt schwer funktioniert, gehen viele in die Miete", brachte Holzapfel die Lage auf den Punkt. Das Sorgenkind im aktuellen Umfeld sei die Neuvermietung, betonte Flödl mit Blick auf geringe Bewilligungs- und Fertigstellungszahlen. 2024 seien die Mieten im Schnitt um 6,2 bis 7 Prozent gestiegen. "Wir gehen davon aus, dass es 2025 nicht viel anders gewesen sein wird."
"Grundsätzlich sind wir in einem stark preisgeregelten Segment", so der ÖVI-Präsident. 43 Prozent der Hauptwohnsitze in Österreich seien Hauptmietwohnungen. Von den 1,77 Millionen Hauptmietwohnungen seien 1,3 Millionen im preisgeregelten Bereich - entweder sozial (kommunal oder genossenschaftlich) oder im Anwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes (MRG).
Regierung interveniert im preisgeregelten Bereich
Im preisgeregelten Bereich hat die Regierung einiges an Erleichterungen für die Mieterinnen und Mieter in Aussicht gestellt. Nach den massiven Anstiegen während der hochfliegenden Inflation sollen die Mieten 2026 nur um maximal 1 Prozent angehoben werden dürfen, 2027 um nur 2 Prozent. 2028 sollen inflationsbedingte Erhöhungen, die 3 Prozent übersteigen, nur zur Hälfte auf die Miete aufgeschlagen werden dürfen. "Durch solche Einzelmaßnahmen wird das Vertrauen nicht erhöht", meinte Holzapfel dazu aus Eigentümersicht.
"Die politischen Interventionen machen das Angebot nicht besser - es werden Investitionen eher hintangestellt", befürchtet Flödl. Der Mietmarkt könne weiterhin unter Druck geraten. "Wir sind in einer Angebotsdelle, aus der wir heraus müssen." Planungssicherheit und Vertrauen seien "die wichtigsten Soft Facts, die wir in den nächsten Jahren brauchen", meinte er auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen für die Energiewende.
(APA)
Immobilienmarkt Österreich 2025: Erholung mit angezogener Handbremse
Der österreichische Immobilienmarkt zeigt nach zwei schwierigen Jahren erste Anzeichen einer Stabilisierung.
Michael Neubauer17. Dec 2025 / vor einem Tag
© ImmoFokus
Gleichzeitig verschärfen sich die strukturellen Probleme: zu wenig Neubau, steigender Druck am Mietmarkt und wachsende regulatorische Unsicherheit. Das ist das zentrale Fazit der ÖVI Experten anlässlich der Jahres-Pressekonferenz, bei der sie aktuelle Marktentwicklungen analysierten und klare politische Handlungserfordernisse formulierten.
Erholung mit angezogener Handbremse
Nach dem deutlichen Einbruch der Transaktionszahlen in den Jahren 2023 und 2024 stabilisierte sich der Markt 2025 langsam. Sinkende Zinsen und kräftige Lohnsteigerungen haben den Erwerb von Wohneigentum wieder leistbarer gemacht. Dennoch bleibt die Lage angespannt.
„Wir beobachten eine vorsichtige Erholung mit weiterem Aufwärtspotenzial. Wir sehen eine vorsichtige Erholung, aber keine Rückkehr zur Normalität. Die Preise stagnieren in der Breite, in sehr guten Lagen gibt es wieder leichte Zuwächse. Gleichzeitig bleibt das Angebot knapp – vor allem dort, wo die Nachfrage am größten ist.“
—Andreas Wollein, ÖVI Vizepräsident
Bei gebrauchten Eigentumswohnungen zeigt sich wieder erhöhte Nachfrage, in den ersten drei Quartalen 2025 stieg die Transaktionszahl um 18% gegenüber dem Vorjahr. Auch die Anzahl der neuen Hypothekarkredite hat sich gegenüber 2023/2024 fast verdoppelt. Aktuell befinden wir uns bei rund 1,5 Mrd. Euro, es gibt aber noch Luft nach oben, denn Anfang 2022 waren wir bei rund 2,5 Mrd. Euro
Die Hypothekarzinsen sind in den leistbaren Bereich gerückt und stark nachgefragt. Sie bewegen sich derzeit zwischen 3,5% und 4% wobei Fixzinsdarlehen wieder etwas höhere Zinssätze aufweisen.
Besonders Wien zeigt sich vergleichsweise robust. Während Toplagen wie die Innere Stadt, Döbling oder Währing moderate Preissteigerungen verzeichnen, bleiben die Preise in Randlagen stabil. Beispielhafte Kaufpreise für gebrauchte Wohnungen liegen im Durchschnitt 2025 bei rund 11.500 Euro pro Quadratmeter in der Inneren Stadt, etwa 5.500 Euro in Döbling und rund 3.700 Euro in Favoriten.
Neubau unter Druck – Bauträger tragen die Last
Deutlich schwieriger stellt sich die Situation im Neubau dar.
„Die Finanzierungssituation für Bauträger ist heute eine völlig andere als noch vor wenigen Jahren. Hohe Baukosten, sinkende Eigenkapitalquoten und steigende Anforderungen der Banken – etwa bei der Vorverwertung – führen zu massiver Verunsicherung. Viele Projekte werden verschoben oder gar nicht mehr gestartet.“
—Thomas Raith, Bauträgersprecher des ÖVI.
Die Folge: Die Neubautätigkeit bleibt niedrig. Preisanpassungen fanden vor allem über Margen statt – häufig zulasten der Bauträger. „Die Preise stagnieren, aber nicht, weil alles gut läuft, sondern weil Bauträger Wertanpassungen und höhere Finanzierungskosten selbst getragen haben. In vielen Fällen bedeutet das Gewinnreduktionen oder sogar Verluste“, so Raith.
Regionale Immobilienmärkte
Am Beispiel Vorarlberg skizziert Vizepräsident Andreas Karg vergleichbare Phänomene: Kaufpreise stabilisierten sich oder gaben leicht nach, die Zahl der Transaktionen blieb verhalten, und die Nachfrage verlagerte sich spürbar in Richtung Miete. Mittlerweile zeichnet sich eine vorsichtige Belebung des Immobilienmarktes ab. Die Zahl der Transaktionen zieht wieder an und signalisiert steigende Marktaktivität, insbesondere im Gebrauchtimmobilienmarkt. Preislich zeigt sich überwiegend eine Stabilisierung mit moderaten Anstiegen – allerdings stark abhängig von Zinsniveau, Konjunktur und Lagequalität. Der Neubauverkauf bleibt weiterhin sehr zurückhaltend, eine Tendenz, die Max Madile, ÖVI- Landesstellenleiter in Kärnten nur unterstreichen kann.
Digitalisierung: Wirtschaftlicher Druck als Innovationsfilter
Die wirtschaftlichen fordernden Rahmenbedingungen für alle Akteure brachten auch eine Fokussierung bei Digitalisierungsprojekten: Digitale Lösungen müssen einen unmittelbar messbaren Nutzen bringen – etwa durch Kostensenkung, schnellere Vermarktung oder bessere Finanzierbarkeit. Tools ohne klaren Mehrwert wurden hingegen zurückgefahren.
Mietmarkt: Angebotskrise trifft Ballungsräume
Angespannt ist mittlerweile die Lage am Mietmarkt in Ballungszentren.
„Der Mietmarkt ist derzeit das größte Sorgenkind. Die Mieten steigen nicht, weil Vermieter das wollen, sondern weil Angebot und Produktion fehlen. 2024 lagen die Mietsteigerungen bei Neuabschlüssen bereits zwischen 6,2 und 7,7 Prozent – und dieser Trend setzte sich 2025 fort.“
—Georg Flödl, ÖVI Präsident.
Dennoch ist der mediale und politische Spin zu hinterfragen. Viel zu gerne wird der private Vermieter als Feindbild dargestellt. Dass vor allem die Energiekosten, nicht aber die Mieten den größten Anteil an der Wohnkostensteigerung ausmachen, wird leider nicht kommuniziert. „Allein in Wien sind mehr als 200.000 Richtwert- und Kategoriemieten seit 2023 de facto eingefroren – anders als die Gebühren und Abgaben der Stadt Wien. Die kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen sind weit über dem Niveau der mietrechtlichen Wertsicherung. Seit 2023 mussten Vermieter im mietengeschützten Altbau einen realen Verlust in Höhe von 11% hinnehmen. Die Wohnkosten mögen gestiegen sein, die Nettomieten aber nicht.
Aus Sicht der Immobilienwirtschaft verschärfen die aktuellen politische Eingriffe die Situation zusätzlich. Gesetzliche Initiativen wie etwa die sogenannte Mietpreisbremse für den freien Mietzins sind kontraproduktiv. „Das MieWeG bekämpft nicht die Ursachen der steigenden Mieten, sondern schwächt Investitionen und verschärft langfristig den Wohnungsmangel.“
Die ersten Umsetzungen des Regierungsprogramms werden insgesamt kritisch gesehen: das Begrenzen der Wertsicherung bei Richtwert- und Kategoriemieten, die Erhöhung der Grunderwerbsteuer bei Share Deals, die Einführung einer Umwidmungssteuer sowie die faktische Verlängerung der KIM-Verordnung durch interne FMA-Richtlinien bremsen das Vertrauen der Investoren. „In Summe sehen wir keine einzige Maßnahme, die das Angebot nachhaltig erhöht, im Gegenteil “, so Flödl.
Leistbares Wohnen als neues EU-Thema
Die europaweit feststellbaren Schwierigkeiten, ausreichend günstigen Wohnraum in den großen Ballungszentren zu finden, hat die EU auf den Plan gerufen – die rein rechtlich gesehen selbst dafür gar nicht zuständig ist. Die EU-Kommission hat mittlerweile (16. Dezember 2025) einen „Affordable Housing Plan“ präsentiert. Eine Reihe von Aspekten bringen für Österreich keine Neuerung, unter anderem die Erleichterungen des EU-Wettbewerbsrechts für den Social Housing Sektor, so ÖVI Geschäftsführer Anton Holzapfel. In etlichen EU-Mitgliedsstaaten wurden solche Beihilfen nämlich kritisch gesehen und nur für die einkommensschwächsten Haushalte gewährt, nicht aber für den Mittelstand, auf den traditionell die österreichische Wohnbauförderung und der gemeinnützige Wohnbausektor zugeschnitten sind.
In anderen Bereichen deckt sich der europäische Maßnahmenplan aber durchaus mit Forderungen der österreichischen Immobilienwirtschaft. Das Housing Simplification Package (2027) verspricht etwa die Vereinfachung von Genehmigungen und Verfahren sowie die Förderung digitaler Genehmigungssysteme. National Building Renovation Plans (2026) sollen zudem die Mitgliedstaaten bei umfassenden Sanierungsstrategien unterstützen. Maßnahmen gegen Kurzzeitvermietung, Unterstützung systemrelevanter Berufsgruppen und junger
Menschen sind weitere Bausteine, auf die gesetzt wird. Ob eine pan-europäische Investitionsplattform für leistbares Wohnen öffentliche und private Investitionen wird bündeln können, bleibt abzuwarten. „Bisherige Ideen des nationalen Gesetzgebers dazu (Wohnbaubank, Wohnbaumilliarde) sind nicht wirklich wirksam geworden.
Nachhaltigkeit weiter im Fokus - Reform des Wohnrechts ein Gebot der Stunde
Klimarelevante Maßnahmen wie thermische Sanierungen oder Heizungstausch sind politisch gewünscht, allein es fehlen die geeigneten nationalen Umsetzungsregeln. Ohne eine Reform des Wohnungseigentumsrechts werden die Klimaziele im Gebäudebestand nicht zu erreichen sein. Eigentümergemeinschaften sind derzeit oft handlungsunfähig. Das ist kein technisches, sondern ein rechtliches Problem.
Fazit: Stabilisierung ja – Entspannung nein
Der österreichische Immobilienmarkt steht 2025 an einem Wendepunkt. Während sich der Eigentumsmarkt langsam stabilisiert, droht der Mietmarkt weiter unter Druck zu geraten. Ohne entschlossene politische Schritte zur Förderung von Neubau, Sanierung und Investitionssicherheit könnte sich der Wohnungsmangel dauerhaft verfestigen.
„Der Markt kann liefern – aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, bringt es Georg abschließend auf den Punkt. „Regulierung allein schafft keine Wohnungen. Was wir brauchen, ist Planungssicherheit, Geschwindigkeit und Vertrauen.“